Faust goes KI

11. Schulstufe - BG Bludenz (VBG)

KI-Projekt - Hauptpreis 2025

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Inhalt

Was bleibt von Goethes Faust in Zeiten der KI? Vielleicht: Ein Pakt mit dem Unbekannten. Im Projekt Faust goes KI haben Schüler:innen der 11. Schulstufe des BG Bludenz den Klassiker durch die Linse von Prompts, Parametern und Pixeln betrachtet und so eine Graphic Novel erschaffen, die zwischen digitaler Ästhetik und existenzieller Tiefe changiert.

Dabei ging es nie nur um Technik, sondern um Reflexion. Um den Mut, den Kanon neu zu vermessen. Und um die Erkenntnis: KI kann ein Spiegel sein. Für das, was uns fasziniert. Für das, was uns beunruhigt. Und für das, was dazwischen liegt. Die Jugendlichen stellten sich dabei der Frage, wie sich ein Klassiker so erzählen lässt, dass er ihre Lebenswelt trifft, ohne an Tiefe einzubüßen. Ihre Antwort: Indem man die Möglichkeiten der KI kritisch-kreativ auslotet. Und indem man erwartbare Brüche nicht nur zulässt, sondern sie vielmehr als Chance versteht.

Bei der Lektüre analysierten sie zentrale Szenen, identifizierten emotionale Wendepunkte und entwickelten visuelle Leitideen. Mit vielfältigen digitalen Tools testeten sie Prompts und Bildstile und experimentierten mit Perspektiven und Symbolik. Trotz technischer Hürden, etwa der Limitierung kostenloser Zugänge oder inkonsistenter Bildstile, konnten sie disparate KI-Ergebnisse durch gestalterische Mittel wie Filter, Spiegelungen, Re-Fokussierungen und Collagen in eine kohärente visuelle Erzählung überführen.

Das Ergebnis ist ein eigenständiger Zugang zu Goethes Faust, der eine starke Anbindung an den Originaltext wahrt, dabei aber zentrale Zukunftskompetenzen fördert: Prompt Literacy, Medienkritik, Kreativität, Teamarbeit. Die Jugendlichen schätzten vor allem den ergebnisoffenen Zugang, die überraschenden Bildideen, die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen der KI und das Gefühl, einem scheinbar fernen Werk so nah zu kommen.

Faust goes KI steht so für einen Literaturunterricht zwischen Tradition und Transformation und zeigt, wie Klassiker im Dialog mit KI neue Relevanz gewinnen.

Jurybegründung

Wir finden es großartig, wie in diesem Projekt Literatur, Technologie und Gestaltung miteinander verbunden werden. Goethes Faust wird nicht nur gelesen, sondern mithilfe von KI neu interpretiert und in eine visuelle Erzählform übertragen – ein mutiger und praxisnaher Zugang.
Die Schüler*innen entwickeln eigene Prompts, setzen sich kritisch mit den Ergebnissen der Bildgeneratoren auseinander und gestalten ein stimmiges Gesamtprodukt. Dabei zeigen sie ein gutes Gespür für Sprache, Bildwirkung und die Herausforderungen im Umgang mit KI. Auch problematische Inhalte werden nicht ausgeblendet, sondern reflektiert und bewusst in den Lernprozess eingebunden.
Literaturunterricht, der nicht vor neuen Technologien zurückschreckt, sondern sie gezielt einsetzt. KI wird hier sinnvoll als Werkzeug genutzt, um klassische Werke neu zu erschließen und aktuelle Zugänge zur Literatur zu schaffen.
Dieses Projekt hat Vorbildcharakter: Es zeigt, wie KI reflektiert und kreativ in den Unterricht integriert werden kann. Andere Lehrpersonen können sich an der Herangehensweise orientieren oder die Projektergebnisse direkt für ihren eigenen Unterricht nutzen.

©BG Bludenz

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