LEBEN — TOD / JETZT — ZEIT

Auszeichnung 26

Bundes-Oberstufenrealgymnasium Lauterach

Schultyp: AHS

Bundesland: Vorarlberg

Projekt

Im Zentrum die Frage: Kann man das fotografieren? Die fotografischen Arbeiten der 7. Kreativklasse des BORG Lauterach entwickelten im Gestaltungsprozess eine solche Eigenständigkeit und Tiefe, dass sie gemeinsam mit der 8. Klasse eine eigenständige Fotoausstellung bildeten. Eine Ausstellung über das, was nicht greifbar ist – und trotzdem sichtbar wird.

Im Rahmen des Projekts „leb.endlich" begaben sich die Schülerinnen und Schüler auf eine fotografische Spurensuche, dorthin, wo Sprache an ihre Grenzen stößt. Zwei Erzählstränge, viele Blickwinkel: Unter dem Titel „TOD — LEBEN" hielten die Jugendlichen in Zusammenarbeit mit der Palliativstation Hohenems, den Sozialdiensten Wolfurt und weiteren Partnern Momente fest, in denen Nähe spürbar wurde, Erinnerungen auflebten oder sich ein Abschied ankündigte. Der zweite Erzählstrang „JETZT — ZEIT" widmete sich dem flüchtigen Moment – assoziativ, tastend und offen für das, was sich der Kontrolle entzieht. Im Zentrum stand die Verbindung von kreativem Arbeiten, gesellschaftlicher Verantwortung und fotografischer Gestaltung.

Die Schülerinnen und Schüler lernten, Themen wie Leben, Zeit, Vergänglichkeit und Tod sensibel und ohne Tabuisierung in Bilder zu übersetzen. Dabei entstanden authentische Begegnungen, die weit über das Fotografieren hinausgingen.

Alle Ergebnisse des Projektes.

Jurybegründung

Ein Projekt, das sich mit existenziellen Fragen beschäftigt. Abgesehen von der ausgezeichneten technischen, ästhetischen und ethischen Umsetzung durch die Schülerinnen und Schüler ist die pädagogische Leistung der Lehrperson hervorzuheben: Für eine Auseinandersetzung mit derart gewaltigen Themen ist eine immens sensible Heranführung und Begleitung notwendig – und ein klarer struktureller Rahmen, der durch institutionelle Partner wie die Palliativstation Hohenems und die Sozialdienste Wolfurt überhaupt erst ermöglicht wird. Nur so entsteht ein Zugang, der eine respektvolle und wertschätzende Bearbeitung zulässt.

Die Jugendlichen begegnen existenziellen Themen nicht als Betroffene, sondern als gestaltende Akteurinnen und Akteure, die Bildsprache und ethische Entscheidung selbst treffen. Sensibilität zeigt sich hier nicht nur in der Haltung, sondern in der fotografischen Gestaltung selbst – in Perspektive, Kadrierung und Komposition.

Beim MLA 2026 erhält dieses Projekt eine Auszeichnung, weil die Frage „Was darf ich zeigen?" nicht nur als eine Frage des Anstands, sondern als eine medienethische Grundkompetenz im medienpädagogischen Alltag selten so konsequent verhandelt wird wie hier.